Der Kontenplan ist das Ordnungssystem Ihrer Buchhaltung. Ist er sauber aufgebaut, beantwortet er betriebswirtschaftliche Fragen fast von selbst. Ist er gewachsen statt geplant, kostet jede Auswertung Nacharbeit.
Die neun Kontoklassen
Der Schweizer KMU-Kontenrahmen ordnet alle Konten in neun Klassen. Die erste Ziffer verrät schon, worum es geht:
| Klasse | Inhalt |
|---|---|
| 1 | Aktiven – Umlaufvermögen und Anlagevermögen |
| 2 | Passiven – Fremdkapital und Eigenkapital |
| 3 | Betriebsertrag aus Lieferungen und Leistungen |
| 4 | Aufwand für Material, Waren, Dienstleistungen und Energie |
| 5 | Personalaufwand |
| 6 | Übriger betrieblicher Aufwand, Abschreibungen, Finanzergebnis |
| 7 | Betrieblicher Nebenerfolg |
| 8 | Ausserordentlicher und periodenfremder Erfolg, Steuern |
| 9 | Abschluss |
Klassen 1 und 2 bilden die Bilanz, Klassen 3 bis 8 die Erfolgsrechnung. Das ist die ganze Systematik – alles Weitere ist Verfeinerung innerhalb dieser Ordnung.
Die Konten, die Sie im Alltag wirklich brauchen
Ein Dienstleistungsbetrieb ohne Lager kommt mit erstaunlich wenigen Konten aus. Diese tauchen in fast jeder Schweizer KMU-Buchhaltung auf:
Bilanz
- 1000 Kasse und 1020 Bank – die flüssigen Mittel.
- 1100 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen – Ihre Debitoren.
- 1170 Vorsteuer auf Material- und Dienstleistungsaufwand und 1171 Vorsteuer auf Investitionen – getrennt, passend zu den ESTV-Ziffern 400 und 405.
- 1300 Aktive Rechnungsabgrenzung – im Voraus bezahlter Aufwand.
- 2000 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen – Ihre Kreditoren.
- 2200 Geschuldete Mehrwertsteuer – die Umsatzsteuer, die Sie schulden.
- 2300 Passive Rechnungsabgrenzung – Aufwand, der noch nicht bezahlt ist.
- 2800 Eigenkapital beziehungsweise Aktien- oder Stammkapital.
Erfolgsrechnung
- 3000er – Ihre Erlöse, sinnvollerweise nach Leistungsbereich getrennt.
- 4000er – Material- und Warenaufwand, bei Dienstleistern oft nur Fremdleistungen.
- 5000 Lohnaufwand und 5700 Sozialversicherungsaufwand.
- 6000 Raumaufwand, 6200 Fahrzeugaufwand, 6500 Verwaltungs- und Informatikaufwand, 6800 Abschreibungen.
Faustregel: Ein Konto lohnt sich, wenn Sie den Saldo mindestens einmal im Jahr wirklich anschauen. Alles andere gehört zusammengefasst.
Erlöse trennen – hier entscheidet sich der Nutzen
Der häufigste Fehler ist ein einziges Erlöskonto. Damit sehen Sie am Jahresende, dass Sie Umsatz gemacht haben – aber nicht, womit. Trennen Sie die Erlöse nach dem, was Sie steuern wollen:
- Ein Handwerksbetrieb nach Arbeit und Material – nur so sieht er die Marge auf der Arbeit.
- Ein Beratungsbetrieb nach Mandatsarbeit und Pauschalen.
- Ein Gastrobetrieb nach Küche, Getränken und Take-away – Letzteres schon wegen der unterschiedlichen MWST-Sätze.
Wo die Trennung feiner werden soll, ohne den Kontenplan aufzublähen, sind Kostenstellen das bessere Werkzeug. Sie legen eine zweite Dimension über dieselben Konten: pro Filiale, pro Fahrzeug, pro Projekt. Der Kontenplan bleibt schlank, die Auswertung wird trotzdem detailliert.
Was das Gesetz verlangt
Das Obligationenrecht schreibt keinen bestimmten Kontenrahmen vor. Es verlangt eine ordnungsgemässe Buchführung und für Bilanz und Erfolgsrechnung eine Mindestgliederung nach Art. 959a und 959b OR. Wer den KMU-Kontenrahmen verwendet, erfüllt diese Gliederung praktisch automatisch – das ist der eigentliche Grund für seine Verbreitung.
Zur Buchführungspflicht: Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit weniger als CHF 500 000 Umsatz im letzten Geschäftsjahr müssen lediglich über Einnahmen, Ausgaben und die Vermögenslage Buch führen. Ab dieser Grenze sowie für juristische Personen gilt die doppelte Buchhaltung. Aufbewahrt wird zehn Jahre (Art. 958f OR).
Beim Wechsel der Software
Ein Softwarewechsel ist der beste Zeitpunkt, den Kontenplan aufzuräumen – aber nicht mitten im Jahr. Sinnvoll ist:
- Auf den Jahreswechsel umstellen, damit Vorjahresvergleiche intakt bleiben.
- Konten mit Saldo null und ohne Bewegung in den letzten zwei Jahren streichen.
- Vor dem Import prüfen, ob die MWST-Codes den richtigen Konten zugeordnet sind – das spart später jede Abrechnung aufs Neue Zeit.
- Eröffnungsbilanz und Vorjahreszahlen übernehmen, nicht nur die Salden.
Accounty bringt den KMU-Kontenrahmen mitsamt MWST-Zuordnung mit und lässt ihn anpassen. Kontenplan, Adressen, offene Posten und Buchungsjournale lassen sich aus der bisherigen Software importieren – wie das im Detail läuft, steht im Vergleich zu Bexio.
Häufige Fragen
Muss ich einen bestimmten Kontenplan verwenden?
Nein, das Obligationenrecht schreibt keinen bestimmten Kontenrahmen vor. Es verlangt aber eine ordnungsgemässe Buchführung und für die Bilanz und Erfolgsrechnung eine Mindestgliederung (Art. 959a und 959b OR). In der Praxis hat sich der Schweizer KMU-Kontenrahmen durchgesetzt – auch weil Banken, Treuhänder und Steuerämter ihn kennen.
Ab wann muss ich doppelt Buch führen?
Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit weniger als CHF 500 000 Umsatz im letzten Geschäftsjahr müssen nur über Einnahmen, Ausgaben und die Vermögenslage Buch führen. Ab dieser Grenze sowie für juristische Personen gilt die Pflicht zur doppelten Buchhaltung mit Bilanz und Erfolgsrechnung.
Wie viele Konten braucht ein kleiner Betrieb?
Meist zwischen 40 und 60. Mehr Konten bedeuten nicht mehr Erkenntnis, sondern nur mehr Zuordnungsfragen im Alltag. Sinnvoller ist es, wenige, klar abgegrenzte Konten zu führen und für Detailfragen mit Kostenstellen zu arbeiten.
Was gehört auf welches MWST-Konto?
Die Vorsteuer wird üblicherweise getrennt geführt: ein Konto für die Vorsteuer auf Material- und Dienstleistungsaufwand, ein zweites für Investitionen und übrigen Betriebsaufwand. Das entspricht den Ziffern 400 und 405 der ESTV-Abrechnung und erspart am Periodenende die Aufteilung von Hand.
Wie lange muss ich die Buchhaltung aufbewahren?
Zehn Jahre ab Ende des Geschäftsjahres, für Geschäftsbücher, Buchungsbelege sowie den Geschäftsbericht und den Revisionsbericht (Art. 958f OR). Für Unterlagen im Zusammenhang mit unbeweglichen Gegenständen gelten für MWST-Zwecke längere Fristen.
Weiterlesen: MWST-Abrechnung Schritt für Schritt · Saldosteuersatz oder effektive Methode? · Accounty für Treuhänder
Dieser Beitrag gibt den Stand von August 2026 wieder und dient der allgemeinen Orientierung. Massgebend sind die Publikationen der Eidgenössischen Steuerverwaltung und die geltenden Gesetze. Er ersetzt keine individuelle Beratung.